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Konsistenz, Kongruenz und Motivationale Schemata


(2) Implikationen für die Praxis I

Die Bewertung, ob etwas gut oder schlecht ist, ist also ein ständig aktiver Motor des psychischen Geschehens. Dabei läuft diese Bewertung, insbesondere was ihre emotionale Komponente betrifft, zu großen Teilen un­bewusst ab: noch bevor eine Situation überdacht wurde, kommt es dadurch zur automatischen Aktivie­rung von Annäherungs- oder Vermeidungstendenzen.

Psychische Prozesse laufen leichter und schneller ab, wenn die gut-schlecht-Bewertung kompatibel ist mit der Verhaltensausrichtung (Annähe­rung-Vermeidung); letztere scheint der bewussten Bewertung also vorauszugehen. Die Erreichung von Annä­herungszielen lässt sich leichter kontrollieren als die von Vermeidungszielen:

  • Annäherungsziele können in Teilziele untergliedert werden, mit intrinsischer Motivation verfolgt wer­den, die Wirksamkeit des eigenen Handelns ist unmittelbar feststellbar, man kann sich ganz auf das Ziel konzentrieren etc. etc.
  • Vermeidungsziele erfordern dagegen dauernde Kontrolle, eine verteilte statt fokussierte Aufmerksam­keit, können nie mit Sicherheit erreicht werden (schließlich kann das Problem immer auf­tauchen!), führen nicht zu positiver, sondern allenfalls negativer Verstärkung, werden nicht von positi­ven, sondern negativen Emotionen begleitet etc. etc.

Wichtig ist, dass das Vermeidungs- und Annäherungssystem als zwei voneinander unabhängige Motivati­onssysteme aufgefasst werden müssen. Dementsprechend lassen sich vier (und nicht nur zwei) "motivationale Extremtypen" voneinander unterscheiden:

  • Depressive: starke Vermeidungstendenz, schwache Annäherungstendenz
  • „Genügsame Langweiler“: schwache Vermeidungstendenz, schwache Annäherungstendenz
  • Interessante und aktive, aber instabile Persönlichkeiten: starke Vermeidungstendenz, starke Annä­herungstendenz
  • Stabile, aktive Frohnaturen: starke Annäherungstendenz, schwache Vermeidungstendenz

Zwischen Annäherungs- und Vermeidungszielen besteht keine signifikanten Zusammenhänge  – An­näherungs- und Vermeidungssystem sind also unabhängig voneinander.

Zudem ist festzuhalten: Wer viele Vermeidungsziele hat, kann seine Annäherungsziele schlechter realisie­ren – sprich: Vermeidungsziele hemmen Annäherungsaktivität.

Zusammenzufassen ist also:

  • Die Aktivierung / Förderung der Annäherungsmotivation führt zu höherer Leistung und besserer Gesundheit im Gegensatz zur Aktivierung / Förderung der Vermeidungsmotivation
  • Vermeidungsdominanz korreliert negativ mit einer positiven Lebenseinstellung und einem hohen Selbst­wert und Leistungsfähigkeit; positiv korreliert sie mit interpersonellen Problemen, Annäherungsinkongruenz, sozialer Angst, psychopathologischer Symptomatik und Depressivität

Es stellt sich also die Frage, ob bzw. mittels welcher Methoden es gelingt, den Einfluss der Annäherungsmotivation zu erhöhen und den den Vermeidungsmotivation zu reduzieren.

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