Neuroleadership: Informationsportal

Konsistenz, Kongruenz und Motivationale Schemata


(2) Implikationen für die betriebliche Praxis II

Um die Relevanz dieser Überlegungen für die betriebliche Praxis besser verdeutlichen zu können, soll hier die Zieltaxonomie für Annäherungsziele (A) und Vermeidungsziele (V) nach Grawe (1999) skizziert wer­den. 

 

Intentionale Ziele (I)

Vermeidungsziele (V)

  1. Abschneiden im Vergleich zu an­deren

I1 Herausragen

überlegen, perfekt, begehrt sein, etwas gel­ten

V1 Schlecht abschneiden

unterlegen sein, sich blamieren, Makel zei­gen, sich festlegen

  1. Eigenschaften & Ressourcen

I2 Vorteilhafte Eigenschaften haben

offen, selbstsicher sein, geistige Fähigkeiten habe.

 (irrelevant)

  1. Übergeordnete Standards

I3 Einem Standard entsprechen

tüchtig, gefällig sein, sich anpassen

V3 Gegen einen Standard verstoßen

schuldig sein, bestraft werden

  1. Identität und Selbstwert

 

I4 Gutes Selbstgefühl haben

wissen, wer man ist und was man kann, sich für wertvoll halten

V4 Sich für gewöhnlich halten/abwerten

gewöhnlich sein, sich selbst abwerten

 

  1. Selbstverwirklichung

 

I5 Sich selbst verwirklichen

Bedürfnisse befriedigen, sich weiterentwi­ckeln, höhere Ordnung suchen

 

(irrelevant)
  1. Lust, Unlust

 

I6 Gute Gefühle haben

glücklich sein, genießen, etwas erleben, sich körperlich wohlfühlen

V6 Unangenehme Gefühle/Empfindungen ertrage

unangenehme Gefühle/Schmerzen ertragen

  1. Kontrolle

 

I7 Kontrolle haben

sich selbst unter Kontrolle haben, die Situa­tion im Griff haben, verstehen

V7 Kontrolle verlieren

die Kontrolle über sich selbst verlieren, machtlos sein, nicht verstehen

  1. Aufgabenbewältigung

I8 Aufgaben bewältigen

gut funktionieren, kompetent sein, etwas leisten

V8 Scheitern

nicht genügen, inkompetent sein, versagen

  1. Autonomie

 

I9 Autonom sein

unabhängig sein, sich selbst behaupten

V9 Autonomie verlieren

abhängig sein, von anderen bestimmt wer­den

  1. Geben

 

I10 Für andere da sein

unterstützen, beschützen, kooperieren

V10 Schlecht für andere sein

anderen Schlechtes tun, anderen zur Last fallen

  1. Beziehungen

 

I11 Positive Beziehungen haben

liebevolle, intime, verlässliche Beziehungen haben, soziales Netzwerk haben

V11 Beziehungen gefährden oder verlieren

streiten, verlassen werden, einsam sein

  1. Beistand

 

I12 Beistand erhalten

unterstützt, beschützt werden

V12 Vernachlässigt werden

nicht unterstützt werden, nicht genug Zu­wendung erhalten

  1. Rückmeldung

 

I13 Positive Rückmeldung erhalten

anerkannt, bestätigt, angenommen, ge­mocht werden

V13 Negative Rückmeldung erhalten

nicht anerkannt werden, kritisiert werden, abgelehnt werden

  1. Verletzung und Missbrauch

 

 

(irrelevant)

V 14 verletzt und missbraucht werden

Tabelle: Zieltaxonomie für intentionale Schemata (I) und Vermeidungsschemata (V) (Quelle: nach Grawe: 1998)

 

Die obige Tabelle lässt sich anhand von Kategorie 8 – Aufgabenbewältigung –verdeutlichen:

  • Es macht für eine Person einen Unterschied, ob sie aktiv versucht, bevorstehende Aufgaben zu bewältigen, oder aber versucht, ein Scheitern zu vermeiden.
  • Dieser Unterschied besteht nicht nur im Rahmen der Informationsverarbeitung und dem emotionalen Erleben, sondern gerade auch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit bzw. Produktivität.
Gerade unter den Rahmenbedingungen zunehmender Belastungen sind Menschen mit ausgeprägten Vermeidungs­schemata weniger leistungsfähig (und gesund) als diejenigen mit entsprechenden Annäherungsschemata.

 

Zurück