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Das Bedürfnis nach Selbstwertschutz und -erhöhung


(2) Implikationen für die betriebliche Praxis

Bei gesunden Menschen besteht eine allgemeine Tendenz zur Selbstwerterhöhung und zum Selbstwert­schutz. Die Tendenz zur Selbstwerterhöhung ist dabei Teil des Annäherungs-, die Tendenz zum Selbstwert­schutz Teil des Vermeidungssystems. Die besagten Tendenzen können explizit oder implizit zum Ausdruck kommen. Implizites und explizites Selbstwertgefühl müssen dabei nicht immer übereinstimmen. Verhaltens­wirksam ist dabei eher das implizite Selbstwertgefühl:

  • Selbstwertabträgliche Aussagen werden schlechter erinnert als selbstwertzuträgliche, allerdings nur dann, wenn sich die Aussagen auf Aspekte des Selbsts beziehen, die den Personen wichtig sind.
  • Menschen neigen dazu, sich selbst positiver zu beschreiben als den Durchschnitt (z.B. halten sich die meisten für einen überdurchschnittlich guten Autofahrer, was rein logisch nicht möglich ist). Zum Vergleich mit anderen Menschen werden positive Attribute herangezogen.

Gesunde Menschen neigen zu einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Person; sie haben Selbstwert- und (Kontroll-)Illusionen. Depressive und Menschen mit negativem Selbstwert haben solche Illusionen nicht; sie haben ein realistischeres, dafür aber wesentlich ungesünderes Selbstbild. Die Tendenz zur Erhöhung und zum Schutz des eigenen Selbstwerts ist somit ein wichtiger Bestandteil psychischer Gesundheit und Leistungsfähig­keit.

Personen, deren Selbstwertbedürfnis stark verletzt wurde (etwa durch Mobbing oder indem das Bindungs- und Kontrollbedürfnis nicht hinreichend befriedigt wurden) entwickeln diese Tendenz nicht. Sie haben ein er­höhtes Risiko, psychische Störungen zu entwickeln.

Zusammenfassend kann man festhalten:

  • Die Erfüllung des Bedürfnisses nach Selbstwerterhöhung/-schutz wirkt sich positiv auf die berufsbezogene Leistung aus.
  • Die Erfüllung des Bedürfnisses nach Selbstwerterhöhung/-schutz wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.
  • Selbstwert und das Erleben von Kongruenz (Konsistenz) stehen in einer positiven Beziehung zueinander.

 

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